Vor mehreren Tagen saß ich in einer Runde (Teilnehmer zwischen 23 [=ich] und ca. 70 Jahre alt), die Änderungsanträge zu einem politischen Positionspapier beratschlagte. Folgenden unscheinbaren und unspektakulären Teil, wollte ich noch hinzufügen lassen:
Wir sehen, dass die Bereitstellung von öffentlichen Daten (“Open Data”) unter der Berücksichtigung von Datenschutz zu kreativen Geschäftsideen und gesellschaftlichem Mehrwert führen kann.
Aus meiner Sicht war die Formulierung schon so weichgespült und an Allgemeingültigkeit kaum zu übertreffen, dass ich mich fast schämte ihn so zu stellen. Aber gut. Es ging mir ja nur um ein Signal, da Open Data in dem Entwurf, trotz eines Digital-etc-Kapitels, bislang fehlt. Konkrete Ausgestaltungen bedürfen sicherlich intensiverer Detaildiskussionen.
Als sich dann Nachfragen von Ahnungslosen mit Gegenreden, gestützt von Halbwissen und Angst vor der Datenkrake Google oder wahlweise Facebook, mischten und mehrten, konnte ich trotz einiger knapper Erklärungsversuche (zeitliche Begrenzungen ließen einen halbstündigen Vortrag über das Netz und seine Auswirkungen auf die Gesellschaft leider nicht zu) nicht mehr verhindern, dass selbst die Weichspüler-Variante mehrheitlich und knallhart abgelehnt wurde.
Nun möchte daraus niemandem einen Vorwurf machen. Meine Großeltern hätten mich im Zweifel ebenso mit großen Augen angestarrt, wenn ich denen was von Open Data erzählt hätte. Die wahrscheinliche Antwort wäre gewesen: “Uns reischt des Wocheblättle.” (Oma und Opa mögen mir verzeihen wenn sie das lesen, aber irgendwer musste als Beispiel dienen um mögliche Parallelen zu Betroffenen zu vermeiden).
Deshalb muss man, muss ich, wohl einfach noch intensiver Aufklärungsarbeit leisten. Wieder was gelernt. Demnächst wird auch die Mehrheitsbeschaffung für noch so unscheinbar Änderungsanträge fachmännisch vorbereitet
Nun sind aus meinen bisherigen Erfahrungen genau zweieinhalb Sachen am wichtigsten um Mitmenschen für Open Data zu sensibilisieren:
- Nein, es sind nicht immer nur personenbezogene Daten über die wir hier diskutieren. Eher im Gegenteil.
- Sollten doch einmal personenbezogene Daten im Spiel/von Nöten/… sein, dann müssen diese natürlich entsprechend anonymisiert werden, rechtlicher Datenschutz muss berücksichtigt werden. Das geht auch.
- Beispiele, Beispiele, Beispiele.

Mit Beispielen, besonders im Open Data Bereich, kann man m.E. hervorragend überzeugen. Man braucht nur ein wenig Zeit und Anschauungsmaterial. Z.B. erwähne ich immer wieder gerne lobend ein Privat-Projekt von Marian Steinbach (parteipolitisch mir ggü. wohl auch unverdächtig), der sich öffentlich zugängliche Daten der Stadt Köln zu Nutze macht. Die ganzen Dokumente des Stadtrates sind theoretisch online abrufbar – aber so versteckt und unsortiert, dass damit kaum einer etwas anfangen kann. Er hingegen hat eine Kölner Karte gebastelt mit der man nun straßengenau nachvollziehen kann, welche politisch relevanten Themen z.Zt. vor Ort behandelt und diskutiert werden. Die Seite “Offenes Köln” ist auf jeden Fall sehenswert!
Grundsätzlich zu empfehlen ist auch der “Data Blog” der Zeit Online. Dort werden immer wieder interessante Ideen aufgegriffen und umgesetzt, um zu zeigen was alles möglich ist. Das neueste Projekt zeigt auf einer deutschlandweiten Karte an, wo in Deutschland in welcher Stärke rechtsextrem gewählt wird. Das Vorgehen, die zu Grunde liegenden Datensätze und ähnliches können einfach im Blog nachgelesen werden. Einziger Schwachpunkt: Pro Köln/NRW wurde vergessen. Aber das ist ein anderes Thema.
Eine vollständige Auflistung von tollen Open Data Umsetzungen kann gar nicht geschaffen werden, deshalb belasse ich es vorläufig bei diesen zwei Beispielen. Über weitere Anmerkungen und Hinweise über gelungene Projekte freue ich mich dennoch sehr!
Ansonsten hoffe ich auf viele Engagierte da draußen, die sich von Zögern und Furcht nicht zurückschrecken lassen, sondern weiterhin Aufklärungsarbeit leisten als auch für die zur Verfügungstellung von Daten und Umsetzung von entsprechenden Projekten Werbung machen. Open Data now!
PS: Wer tatsächlich null Ahnung hat, worum sich der Blogpost dreht, der schaue sich doch erst einmal den Wiki-Eintrag an: http://de.wikipedia.org/wiki/Open_Data
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